LIDAR
Engl. Akronym für Light Detection and Ranging; ein als aktives System ganztägig einsetzbares Fernerkundungsverfahren, das oft etwas ungenau als "Laser-Radar" bezeichnet wird. Es arbeitet vergleichbar einem Mikrowellen-Radar, benutzt aber den optischen Teil des elektromagnetischen Spektrums zwischen dem ultravioletten und dem nahen Infrarot-Bereich.
Lidar ist eine Methode zur Entfernungsmessung, bei der reflektiertes Laserlicht verwendet wird, um 3D-Geodatenkarten eines Zielgebiets zu erstellen. Lidar findet terrestrische Anwendungen, darunter 3D-Scanning und autonome Fahrzeugführung, sowie Anwendungen in der Fernerkundung der Erde, darunter die Erstellung hochauflösender topografischer Karten. Die Entfernungsmessung beruht dabei auf der Messung der Zeitspanne, die zwischen dem Aussenden des Lichtimpulses und der Reflexion des zurückkommenden Impulses verstreicht. Fernerkundungs-Lidar-Beobachtungen werden in der Regel mit luft- oder satellitengestützten Instrumenten durchgeführt.
Lidar-Systeme bestehen gewöhnlich aus einem Laser, der Strahlung in Pulsen oder kontinuierlich durch eine fokussierende Optik aussendet. Ein weiteres optisches System fokussiert die vom beobachteten Objekt reflektierte Strahlung auf einen Detektor. Weitere Akronyme werden benutzt, die leicht unterschiedliche Bedeutungen haben: LaDAR (Laser Detection and Ranging) beinhaltet, dass Laserlicht zur Entfernungsmessung herangezogen wird. In einem LIDAR-System hingegen kann zum Beispiel auch sehr starkes Xenonlicht benutzt werden. ALS (Airborne Laserscanning) konkretisiert, dass ein Laserstrahl von einem Flugzeug aus die Oberfläche scannt. Gerade diese Technik, die zur Erstellung von digitalen Oberflächenmodellen dient, hat in der Geoinformatik eine große Bedeutung erhalten.
Bei jeweils gleichem Grundprinzip können drei verschiedene Gruppen und Anwendungen von Lidar-Systemen unterschieden werden:
- Lidar-Systeme zur räumlichen Erfassung von Stoffen in der Atmosphäre und im Meer (Umwelt-Lidar). Laserstrahlen reagieren sehr empfindlich auf Wolken, Aerosole, Luftschadstoffe, Ölteppiche usw. Daher werden Lidar-Verfahren auf unterschiedliche Weise für die Atmosphärenforschung, Meteorologie, Ozeanographie u.w. eingesetzt. So kann das emittierte und zurückgestreute Laser-Licht zur Bestimmung von Wolkenobergrenzen, zur Erstellung von Vertikalprofilen der Verteilung von Aerosolen und in besonderen Fällen auch von Spurengasen (z.B. Ozon) in der Atmosphäre nutzen. Schadstoffe können von Lidar-Geräten kontinuierlich bis in die höchste Atmosphäre gemessen werden.
Bei einer Auswertung der Dopplerverschiebung des rückgestreuten Lichts ist auch eine Messung der Windgeschwindigkeit möglich. Ein solches Gerät wird als Laser-Doppler-Anemometer bezeichnet und z.B. auf Flughäfen zur Detektion von Scherwinden im Anflugbereich von Flugzeugen eingesetzt.
Lidar-Messungen eignen sich auch zur Berechnung atmosphärischer Temperaturprofile.
Daneben werden Lidare zur Bestimmung der Vertikalverteilung von Phytoplankton im Ozean verwendet. Man misst dabei das vom Phytoplankton emittierte fluoreszierende Licht. Zuvor war mit einem starken Laserpuls das Chlorophyll des pflanzlichen Planktons zu dessen Aussendung angeregt worden.
Für die verschiedenen Anwendungen werden unterschiedliche Arten der Streuung genutzt, meist die Rayleigh-, die Mie- oder die Dopplerverschiebung-Streuung, auch die Fluoreszenz. - Lidar-Systeme, die Distanzen mit hoher Genauigkeit messen und der Erfassung von topographischen Daten dienen. Dieses Airborne Laserscanning (ALS) ist eine relativ junge Technik zur Erfassung der Topographie der Erde (u.a. zur Generierung von DHM), die erst durch die Verfügbarkeit von Lasern mit besonderen Eigenschaften sowie des Global Positioning System (GPS) möglich wurde.
Bei diesem Verfahren wird der Abstand zwischen einem Fluggerät und der Erdoberfläche durch Ermittlung der Laufzeit eines Lichtimpulses gemessen. Zusätzlich wird der Laserstrahl durch eine optomechanische Einrichtung für jede Messung seitlich in eine geringfügig andere Richtung abgelenkt, wodurch in Kombination mit der Vorwärtsbewegung des Fluggeräts ein breiter Streifen des Geländes abgescannt wird.
Um später ein digitales Modell der Topographie erstellen zu können, müssen zusätzlich Position und Lage des Fluggeräts sowie der Winkel jedes ausgesendeten Messstrahls genau festgehalten werden.
Aufgrund der spezifischen Eigenschaften grenzt sich dieses Messverfahren gegenüber klassischen Techniken im Vermessungswesen ab. Die hohe Messpunktdichte und die gleichmäßige Verteilung der Messpunkte sind ausschlaggebend für die hohe Genauigkeit des Höhenmodells. Die Unterscheidung des ersten und des letzten Lichtechos, die auf einen einzigen Messpuls folgen, lässt weitere Beschaffenheiten des Geländes erkennen und bestimmen. - Lidar-Systeme für Anwendungen in dem Bereich, der auch durch Nahphotogrammetrie erfasst wird. Die Geräte dieses sog. Terrestrischen Laserscanning werden fest aufgestellt.
Topographische Lidar-Produkte
Terrestrische Lidar-Daten werden am häufigsten in topographischen Modellen dargestellt, die als digitale Höhenmodelle (DHM, engl. DEM) bekannt sind. Digitale Geländemodelle (DGM, engl. DTM) und digitale Oberflächenmodelle (DOM, engl. DSM) sind Arten von DHM.
DOM und DGM sind terrestrische Lidar-Produkte, die topografische Informationen eines Zielgebiets anzeigen. Der Unterschied zwischen den beiden besteht darin, dass DSMs alle reflektierenden Oberflächen-Echos von der bloßen Erdoberfläche abbilden und sowohl natürliche als auch vom Menschen geschaffene Strukturen wie Gebäude, Vegetation, Baumkronen und mehr messen. DGM beziehen sich nur auf die bloße Erdoberfläche, wobei Vegetation und vom Menschen geschaffene Artefakte herausgefiltert werden.
DOM und DGM fallen unter den Oberbegriff DHM, wobei Instrumente mit hoher räumlicher Auflösung zwischen beiden unterscheiden können. Bei einer geringen räumlichen Auflösung, bei der feine Strukturen nicht identifiziert werden müssen, beispielsweise bei einer großflächigen Vermessung eines Landes, wird der allgemeine Begriff DHM verwendet.
Schema verschiedener DEM-Typen Quelle: eoPortal |
DOM finden Anwendung in der Stadtplanung, da sie die nackte Erde und alle ihre erhöhten Merkmale identifizieren können, sowie für Visualisierung, Krisen- und Vegetationsmanagement, Navigation und mehr. Eine gängige Art von DOM ist ein Canopy Height Model (CHM). DGM können zur Ergänzung eines DOM verwendet werden, um Höheninformationen von Objekten auf der Erdoberfläche abzuleiten.
DHM sind nicht ausschließlich mit satellitengestützten Lidar-Instrumenten erhältlich, sondern können auch mit anderen Fernerkundungsmethoden wie der Interferometrie mit synthetischer Apertur (InSAR), Stereophotogrammetrie, Differential-GPS (DGPS) und Bodenvermessung erstellt werden.
Weltraumgestützte Lidar-Anwendungen
Wegen sehr hoher technischer Schwierigkeiten bei der Raumflugtauglichkeit von Lasern wurden LIDAR-Sensoren lange Zeit vorwiegend als boden- oder flugzeuggestützte Sensoren eingesetzt.
Fernerkundungs-Lidar-Instrumente messen die von der Atmosphäre oder der Erdoberfläche reflektierte Laserstrahlung. Die Zeitpunkte der zurückkehrenden Laserimpulse liefern Entfernungsmessungen, die die Erstellung präziser dreidimensionaler Karten der erfassten Oberfläche ermöglichen. Lidar funktioniert nach dem gleichen Prinzip wie RADAR (Radio Detection and Ranging), sendet jedoch anstelle von Radiowellen Lichtimpulse aus einer Laserquelle aus. Die im Vergleich zu Radiowellen kürzeren Wellenlängen des Lichts ermöglichen eine höhere Auflösung bei den Beobachtungen, jedoch verhindert seine höhere Energie das Durchdringen optisch dichter Schichten wie Wolken – was bedeutet, dass für Beobachtungen von Oberflächenmerkmalen klare Bedingungen erforderlich sind. Diese Eigenschaft ermöglicht jedoch atmosphärische Beobachtungen, bei denen das von Wolken zurückgestreute Licht genutzt wird, um Eigenschaften und Daten von Aerosolen zu erhalten.
Lidar-Beobachtungen liefern Wissenschaftlern und Kartographen hochpräzise und genaue Einblicke in natürliche und vom Menschen geschaffene Umgebungen. Im Vergleich zu luftgestützten Lidar-Systemen profitieren Satelliten-Lidar-Systeme von schnellen Wiederholungsintervallen und mehreren Überflügen über dasselbe Gebiet, wodurch Fernerkundungsanwendungen in den Bereichen Landwirtschaft, Forstwirtschaft und Naturschutz, Geologie, Atmosphäre, Bergbau, Katastrophenüberwachung und mehr ermöglicht werden.
Eine weitere Art von Lidar-Instrumenten sind atmosphärische Lidars, die mithilfe eines Lichtstreuprozesses die Eigenschaften der Atmosphäre vom Boden bis zur Obergrenze der Atmosphäre untersuchen. Lidars, die zur Erkennung von Merkmalen auf der Erdoberfläche eingesetzt werden, nutzen die Reflexion an festen Oberflächen, bei der Photonen vom Boden zurück zum Empfangsteleskop des Satelliten reflektiert werden. Bei der Messung von Wolken und Aerosolen hingegen messen Lidars das aus der Atmosphäre zurückgestreute Laserlicht.
Lidars mit hoher spektraler Auflösung (HSRL) sind atmosphärische Lidars, die in der Lage sind, die Beiträge von Aerosol- (Mie) und Molekülstreuung (Rayleigh) in zwei Kanäle zu trennen, wodurch die optische Tiefe des Aerosols (AOD) ermittelt werden kann, ein Maß für den Extinktionseffekt des Aerosols. Diese Lidar-Systeme können Informationen über Eigenschaften wie Partikelhöhe, optische Eigenschaften, Windgeschwindigkeit und -richtung sowie atmosphärische Gaskonzentrationen liefern. Satelliten bieten die Möglichkeit, wiederholte Messungen über denselben Standort durchzuführen, wobei die Lidar-Daten dazu verwendet werden können, unser Verständnis des vertikalen und horizontalen Transports von Partikeln und Gasen in der Atmosphäre zu verbessern. Elastische Rückstreuungs-Lidars können die Aerosolextinktion nicht messen, liefern jedoch Informationen über die Höhe und vertikale Dicke von Aerosol- und Wolkenschichten sowie über weitere optische Eigenschaften, die das Klima beeinflussen.
Schematische Darstellung eines weltraumgestützten Lidars Quelle: eoPortal |
Relevante Satellitenmissionen
| EarthCARE | EarthCARE ist eine gemeinsame europäisch-japanische Erdbeobachtungsmission, die natürliche und anthropogene Klimaveränderungen untersucht. Sie startete am 28. Mai 2024 von der Vandenberg Space Force Base in Kalifornien. EarthCARE beobachtet Wolken, Aerosole und Strahlungsparameter, um wichtige Daten für numerische Modellierungen und globale Studien zu vertikalen Profilen von Aerosolen, vertikalen Verteilungen von flüssigem Wasser und Eis in der Atmosphäre sowie atmosphärischer Strahlungserwärmung und -abkühlung zu liefern. EarthCARE verfügt über ein atmosphärisches Lidar (ATLID), ein Rückstreu-Lidar-Instrument, das UV-Licht (355 nm) aussendet, um hochauflösende atmosphärische Echos zu liefern. |
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| ICESat-2 | ICESat-2 (Ice, Cloud and land Elevation Satellite-2) wurde im September 2018 gestartet und ist die Nachfolgemission der NASA zu ICESat mit dem Ziel, die Topografie des Meereises, die globale Vegetation sowie die Eigenschaften von Wolken und Atmosphäre zu messen. ICEsat verwendet das Advanced Topographic Laser Altimeter System (ATLAS), ein Photonenzähl-Lidar, das hochauflösende Daten sowohl der Erdoberfläche als auch der atmosphärischen Rückstreuung von Molekülen, Wolken und Aerosolen erfasst. |
| CALIPSO | CALIPSO war ein gemeinsamer Wolken- und Aerosolbeobachtungssatellit der NASA (National Aeronautics and Space Administration) und der CNES (Französische Weltraumagentur) mit dem Ziel, die Rolle von Wolken und Aerosolen bei der Regulierung des Erdklimas zu bestimmen. Der Satellit wurde im April 2006 gestartet und im August 2023 aus der Umlaufbahn genommen. Er verwendete einen Wolken-Aerosol-Lidar mit orthogonaler Polarisation (CALIOP), einen Zwei-Wellenlängen-Lasersender, um aus der erfassten Rückstreuung vertikale Profile von Wolken und Aerosolen zu erhalten. |
| Aeolus | Aeolus ist eine Mission der ESA (Europäische Weltraumorganisation), die im August 2018 gestartet wurde und im April 2023 abgeschlossen wurde. Ihr Ziel war es, Windprofilmessungen auf globaler Ebene durchzuführen. Aeolus war der erste Satellit seiner Art und trug das Atmospheric Laser Doppler Instrument (ALADIN) mit sich, das die Doppler-Wind-Lidar-Technik (DWL) nutzt, um Windgeschwindigkeiten durch direkte Lidar-Messungen in Sichtlinie zu ermitteln, wobei Doppler-verschobenes, von atmosphärischen Molekülen und Partikeln, die vom Wind mitgerissen werden, zurückgestreutes Licht verwendet wird. |
| CATS | CATS (Cloud Aerosol Transport System) war eine atmosphärische Lidar-Mission der NASA an Bord der ISS zwischen 2015 und 2018 zur Bewertung der globalen Klimaauswirkungen von Wolken und Aerosolen. |
| MERLIN | Die Minisatelliten-Klimamission MERLIN von CNES-DLR soll 2028 starten und bis 2031 laufen. Ihr Ziel ist es, die globalen Auswirkungen von Methan in der Atmosphäre zu messen. |
| GEDI | GEDI (Global Ecosystems Dynamics Investigations lidar) ist eine NASA-Mission an Bord der Internationalen Raumstation (ISS), die Höhenprofile von Wäldern und der Lebensraumqualität auf der Erde erstellt hat. Das Instrument war von Dezember 2018 bis zum 17. März 2023 in Betrieb, wurde dann vorübergehend stillgelegt und wird im Juni 2024 wieder in Betrieb genommen. Das Instrument untersuchte eine Reihe von Klimazonen, darunter die Baumkronenstruktur und Tundra-Umgebungen in nördlichen Breitengraden. Seine Daten werden Wissenschaftlern helfen, Veränderungen der natürlichen Kohlenstoffspeicherung innerhalb des Kohlenstoffkreislaufs zu verstehen. |
Weitere Informationen:
- True-Ortho-Bilder mit Laser-Scanning und multispektralem Zeilenscanner
- Airborne Laser-Scanning, ein Vergleich mit terrestrischer Vermessung und Photogrammetrie
- Laser Radar - Berührungsloses Messen (DLR Oberpfaffenhofen)
- Lidars (The Earth Observation Handbook Rio+20)
- Introduction to Lidar (NOAA)
- Waldbrände in Kanada sorgen für stärkste jemals gemessene Trübung der Stratosphäre über Europa (TROPOS)
- Lidar-Revised Geologic Map of the Wildcat Lake 7.5' Quadrangle, Kitsap and Mason Counties, Washington (USGS)
- Global Ecosystem Dynamics Investigation (GEDI)
- Lidar News, the Home of the Lidar Industry - Startseite
- UAV LiDAR improves land mine clearance planning (Routescene Inc)
- Lidar - Light detection and ranging (eoPortal)

