Lexikon der Fernerkundung

Google Earth

Ein von Google Inc. aufgesetztes Internetportal zu weltweiten Geoinformationen. In der Form eines virtuellen Globus kann diese in der Basisversion und seit 20.1.2015 auch in der Pro-Version kostenfreie Software Satelliten- und Luftbilder sowie terrestrische Aufnahmen unterschiedlicher Auflösung mit Geodaten verbinden und auf einem digitalen Höhenmodell der Erde zeigen. Neben der einfachen Navigation auf dem Globus wurden eine Suchfunktion und ein Messwerkzeug integriert. Über ein Auswahlmenü lassen sich die unterschiedlichsten Kartenschichten ein- und ausblenden, weiterhin eigene Punktkoordinaten abspeichern. Das Programm kann auch als Streckenplaner eingesetzt werden. Dank vieler Erhebungsdaten und Overlayinformationen über Städte und Geschäftszweige eignet sich Google Earth zudem als Branchen-Suchdienst.

Ergänzend zu den Bilddaten (Rasterdaten) greift die Software auf zahlreiche Vektordatensätze zu. Ländergrenzen, Ortschaften oder Verkehrsnetze sind so einblendbar. Besonders im US-amerikanischen Raum sind zahlreiche weitere Kartenschichten wie Hotels, Schulen und Apotheken verfügbar. Im deutschsprachigen Raum können z.B. Straßenverläufe und Straßennamen angezeigt werden. Zusätzlich lassen sich GPS-Daten in die Software importieren. Die Tour-Funktion erlaubt einem schließlich, seine virtuellen Rundreisen mit Sprache und Musik zu unterlegen, um sie dann mit anderen zu teilen.

Seit Version 4.3 sind die in Google Maps bekannten Rundumsichten aus den Straßen einiger Gebiete, genannt Street View, auch in Google Earth erreichbar.

Darüber hinaus können sich Internetnutzer mit "Google Earth" umfassend über die Weltmeere und deren Flora und Fauna informieren. Im so genannten "Google Ocean"-Modus wird die Unterwasserwelt in einer 3D-Ansicht präsentiert, der mit Filmen, Bildern und Texten angereichert ist. Auch die Oberflächen von Mond und Mars können erkundet werden. Der Sternenhimmel ist ebenfalls ein Mosaik ("Google Sky") aus vielen detaillierten Bildern, die von Weltraumteleskopen und Sternwarten aus aufgenommen wurden.

Mit der Sonnenstandsfunktion lässt sich das Sonnenlicht auf der Erdoberfläche zu einem frei wählbaren Zeitpunkt simulieren. So kann ein beliebiger Ort bei Tag, Nacht und in der Dämmerung angezeigt werden. Das Geländemodell sowie 3D-Modelle werden in die Berechnung miteinbezogen, so dass z.B. auch Schattenhänge in engen Tälern dargestellt werden. Der Sonnenauf- und Untergang ist auch als Animation abspielbar.

Über die Zeitreisenfunktion lassen sich viele Gebiete so betrachten, wie sie zu einem bestimmten Zeitpunkt aussahen, den man auf der Zeitleiste bestimmen kann. Das wird durch historische Luft- und Satellitenbilder möglich, die über die Google-Earth-Oberfläche gelegt werden. Google Earth kann auch historische Karten anzeigen, die sich als neue Ebene über die Karte legen. Wenn man beispielsweise einen Ausschnitt von Baden-Württemberg auswählt, wird der Rest der Karte immer noch angezeigt.

Beginnend bei einer Ansicht des Globus kann man immer weiter in die Details hineinzoomen. Viele der Daten sind auch über Google Maps als Website verfügbar. Die Qualität der Aufnahmen ist unterschiedlich. Die Detailauflösung der Rasterdaten beträgt flächendeckend meist 15 m (ein Pixel entspricht 15 m × 15 m), in einigen Ballungsgebieten sind teilweise auch Auflösungen bis zu 15 cm verfügbar. Bei dieser Auflösung lassen sich einzelne Menschen als solche erkennen, wobei ein günstiger Schattenwurf hilfreich ist.

Die Bilddaten gröberer Auflösung – bis im besten Falle 60 cm – stammen zwar aus Satellitenbildern, für höhere Auflösungen werden jedoch aus Flugzeugen aufgenommene Bilder verwendet. Als Hauptdatenquelle galt 2006 das Unternehmen DigitalGlobe, welches selbst zwei Satelliten betreibt. Weitere frühere und aktuelle Lieferanten: EarthSat, First Base Solutions, GeoEye-1, GlobeXplorer, Ikonos, ORBVIEW-2, Pictometry International, Spot Image, Aerometrex, CNES.

Vor dem Start des Landsat-8-Satelliten der NASA und des USGS verließ sich Google teilweise auf die Bilder von Landsat 7, der unter einer Hardware-Fehlfunktion litt, die diagonale Lücken in den Bildern hinterließ.

Im Jahr 2013 nutzte Google Datamining, um das Problem zu beheben, und lieferte ein Bild der Erde, das als Nachfolger der Blauen Murmel (Blue Marble, dt. Blauer Planet) bezeichnet wurde, mit einem einzigen großen Bild des gesamten Planeten. Dazu wurden mehrere Sätze von Landsat-7-Bildern kombiniert, um Wolken und diagonale Lücken zu beseitigen und ein einziges "Mosaik"-Bild zu erstellen.

Google nutzt nun eine Vielzahl von Quellen, um Bilder in höherer Qualität und mit größerer Häufigkeit bereitzustellen. Die Bilder werden auf den Servern von Google gehostet, die von der Anwendung kontaktiert werden, wenn sie geöffnet wird, was eine Internetverbindung erfordert.

Das Ergebnis sind schärfere und aktuellere Bilder auf Google Earth als zuvor. Wo Dinge verschwommen waren, sind sie jetzt scharf - wenn Sie zum Beispiel auf New York City hinunterschauen, können Sie dank Landsat 8 jetzt Details wie Wolkenkratzer, Gebäudeschatten und Baseballfelder im Central Park erkennen. Landsat, das seit 1972 in Betrieb ist, um Veränderungen der Erde im Laufe der Zeit zu verfolgen, macht seine Daten offen und zugänglich, so dass Google seine Kartenprodukte aktualisieren kann, sobald neue Bilder verfügbar sind.

Die aktualisierten Karten sind jetzt sowohl in Google Earth als auch bei der Anzeige der Satellitenschicht in Google Maps verfügbar.

Inzwischen wird auch der Aufnahmezeitpunkt, wenn dieser bekannt ist, jahres-, monats- oder oft sogar tagesgenau an der unteren Fensterkante eingeblendet. Google Earth benutzt für die Pseudo Mercator Projektion das globale geodätische System WGS84 mit dem EPSG Code 3857.

Google Earth Pro, eine früher kostenpflichtige Version (400 US-Dollar jährlich) für professionelle Zwecke, unterstützt weitere Module wie etwa einen Movie-Maker. Ferner können Bilder hochaufgelöst gedruckt, Entfernungen, Flächen und dreidimensionale Entfernungen ausgemessen und verschiedene zusätzliche Extra-Daten angezeigt werden.

Unterstützt wird der Import der Formate MapInfo .TAB, ESRI Shapefile, US Census Tiger Line Files (RT1) und MicroStation DGN.

Die Bilddaten von Google-Earth sind darüber hinaus mittels Google Maps über einen Web-Browser einzusehen. Google Earth kann auch als Anwendung aus Apples App Store heruntergeladen werden. Außerdem ist es bei Google Play für Android-Geräte erhältlich.

Weitere Informationen:


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