Lexikon der Fernerkundung

ESA

Engl. Akronym für European Space Agency; Europäische Weltraumagentur. Ihre Aufgabe ist die Nutzung und Förderung der Raumfahrt und Raumforschung zu ausschließlich friedlichen Zwecken und die Koordination der nationalen Raumfahrtprogramme ihrer 22 Mitgliedsstaaten (Belgien, Dänemark, Deutschland, Estland, Finnland, Frankreich, Griechenland, Großbritannien, Irland, Italien, Luxemburg, die Niederlande, Norwegen, Österreich, Polen, Portugal, Rumänien, Schweden, die Schweiz, Spanien, die Tschechische Republik und Ungarn). Kanada beteiligt sich über ein Kooperationsübereinkommen an einigen Projekten. Bulgarien, Lettland, Litauen, Malta, die Slowakische Republik und Slowenien sind "Europäische Kooperationsstaaten".

Die Zielsetzung ihrer Projekte ist dementsprechend vielfältig – von der Erforschung der Erde, ihres unmittelbaren Umfelds, des Sonnensystems und des Universums über die Entwicklung satellitengestützter Technologien und Dienstleistungen bis hin zur Förderung verschiedener europäischer High-Tech-Industrien.

Darüber hinaus arbeitet die ESA mit der EU zusammen, um die Programme Galileo und Copernicus zu verwirklichen.

Kopf der ESA-Webseite Quelle: ESA

2019 beschäftigt die ESA zirka 2300 hochqualifizierte Mitarbeiter aus allen Mitgliedsstaaten – Wissenschaftler, Ingenieure, IT-Spezialisten und Verwaltungsangestellte. Die ESA-Aktivitäten lassen sich in ein "Pflichtprogramm" und eine Reihe optionaler Programme unterteilen. Das Pflichtprogramm, das die Weltraumforschungsprogramme und das allgemeine Budget umfasst, wird von allen Mitgliedsstaaten gemeinsam finanziert. Der anteilsmäßige Beitrag der einzelnen Staaten richtet sich dabei nach dem jeweiligen Bruttoinlandsprodukt. Hinsichtlich der optionalen Programme ist es hingegen jedem einzelnen Staat freigestellt, ob und in welcher Höhe er sich beteiligt.

Das geschätzte Budget der ESA für 2020 beträgt 6,7 Milliarden Euro. Die ESA funktioniert nach dem Prinzip eines geographischen Mittelrückflusses (“Geographic Return“), d.h. sie investiert über Industrieaufträge für Raumfahrtsprogramme in jedem Mitgliedsstaat Beträge, die mehr oder weniger den Beitragsgeldern des jeweiligen Landes entsprechen. Die europäischen Pro-Kopf-Investitionen in die Raumfahrt sind vergleichsweise gering. Für die Raumfahrtausgaben bezahlt jeder Bürger eines ESA-Mitgliedsstaates Steuergelder etwa in der Höhe eines Kinobesuchs. In den Vereinigten Staaten sind die Investitionen in die zivile Raumfahrt fast viermal so hoch.

Die Betätigungsfelder der ESA reichen von der Erforschung der Erde, ihres unmittelbaren Umfelds, des Sonnensystems und des Universums über die Entwicklung satellitengestützter Technologien und Dienstleistungen (Raumfahrzeugträger, Satelliten und Bodenanlagen) bis zur Förderung verschiedener europäischer Hochtechnologie-Industrien. Dazu startet sie startet Erdbeobachtungs-, Navigations-, Telekommunikations- und Astronomiesatelliten, schickt Raumsonden in entlegene Regionen des Sonnensystems und beteiligt sich an der bemannten Exploration des Weltraums. Durch die intensive Kooperation mit außereuropäischen Weltraumorganisationen sollen die gewonnenen Erkenntnisse und Erfindungen nicht nur Europa, sondern der gesamten Menschheit zugute kommen.

An der Spitze der ESA steht ein Generaldirektor, der alle vier Jahre vom ESA-Rat gewählt wird. Jede Forschungssparte hat darüber hinaus ein eigenes Direktorat, das dem Generaldirektor untersteht. Amtierender Generaldirektor der ESA ist seit dem 1. März 2021 der Österreicher Dr. Josef Aschbacher. Die ESA hat ihren Hauptsitz in Paris, wo auch die Beschlüsse für Zukunftsprojekte gefasst werden. Daneben hat die ESA in ganz Europa weitere Zentren mit jeweils verschiedenen Aufgabenbereichen:

Ferner unterhält die ESA Verbindungsbüros in den USA, Russland und Belgien, einen Raumflughafen in Französisch-Guayana sowie Bodenstationen (“Tracking Stations“) zur Kommunikation mit den ESA-Satelliten und Sonden in verschiedenen Teilen der Welt.

Die eduspace-Seiten der ESA bieten hervorrragendes Material zu (Selbst)studium sowie zu Unterricht/Lehre einschließlich der Möglichkeit zum Download von Software zur Verarbeitung von Satellitenbildern (LEOWorks). Die ESA-Seiten Satellite Images - Observing the Earth und Multimedia Gallery enthalten umfangreiches Bildmaterial zu den Bereichen Erdbeobachtung und Weltraumfahrt. Insgesamt sind die ESA-Seiten eine Fundgrube für erdbeobachtungs- und raumfahrtbezogene Recherchen.

Im Februar 2017 bekannte sich die ESA zu einer Open Access-Strategie für Bild- und Videomaterial sowie ausgewählte Datensätze. Seit über 20 Jahren stellt die ESA Wissenschaftlern, der Industrie, den Medien und der breiten Öffentlichkeit über digitale Plattformen wie dem World Wide Web und sozialen Medien eine Fülle an Informationen, Bildmaterial und Daten zur Verfügung. Mit der Weiterentwicklung der Informationsmanagementstrategie der ESA erweitern sich auch hier die entsprechenden Möglichkeiten. So wird nun insbesondere dank einer neuen Open-Access-Strategie für Informationsmaterial und Daten der ESA die umfassende und regelmäßige Nutzung dieses Materials durch die breite Öffentlichkeit, die Medien, den Bildungssektor, Partner und andere Interessierte erleichtert.

Allerdings ist nicht sämtliches ESA-Material von der Open-Access-Strategie erfasst - weil viele Bilder, Videos und Datensätze zusammen mit anderen Partnern aus Wissenschaft und Industrie entstehen. Zunächst gibt die Weltraumorganisation deswegen nur das Material frei, das sie entweder komplett selbst erstellt hat oder für das sie zumindest die Rechte Dritter geklärt hat.

Beim Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) gilt schon seit 2012 eine vergleichbare Regelung. Bei der US-Weltraumbehörde NASA hingegen sind alle Inhalte grundsätzlich kostenlos nutzbar, sie unterliegen keinem Copyright. Das dafür genutzte Rechtsinstrument der "public domain" gibt es in Europa so allerdings nicht, deswegen sind gesonderte Regeln erforderlich.

Neuausrichtung der ESA-Programme angesichts der geopolitischen Krise 2022 (ESA)

Infolge der russischen Aggression gegen die Ukraine hat der ESA-Generaldirektor eine umfassende Überprüfung aller derzeit in Zusammenarbeit mit Russland und der Ukraine durchgeführten Tätigkeiten eingeleitet. Ziel ist es, die möglichen Auswirkungen dieses neuen geopolitischen Kontexts auf die Programme und Tätigkeiten der ESA zu ermitteln und eine resilientere und robustere Weltrauminfrastruktur für Europa zu schaffen.

Der ESA-Rat hat auf seiner Tagung am 13. April 2022 die folgenden Tatsachen anerkannt und u. a. die nachstehenden Beschlüsse gefasst.

Die ESA stellt ihre Gemeinschaftsvorhaben mit Russland bei Luna-25, -26 und -27 ein. Wie schon bei ExoMars bedeuten die russische Aggression gegen die Ukraine und die damit verbundenen Sanktionen auch hier einen grundlegenden Wandel der Umstände und machen es der ESA unmöglich, die geplante Zusammenarbeit bei der Mondexploration umzusetzen. Die für diese Missionen entwickelte Wissenschaft und Technologie der ESA ist jedoch nach wie vor von entscheidender Bedeutung. Für die der Entnahme von Bodenproben und der Analyse von flüchtigen Substanzen dienende (für Luna-27 geplante) Mondnutzlast PROSPECT wurde schon eine zweite Fluggelegenheit an Bord einer von der NASA geleiteten CLPS-Mission für kommerzielle Dienste für Mondnutzlasten sichergestellt. Auch zur Erprobung der (für Luna-25 geplanten) Navigationskamera PILOT-D der ESA wird bereits eine alternative Fluggelegenheit von einem kommerziellen Dienstleister beschafft.

Übersicht zu den von der ESA entwickelten Erdbeobachtungsmissionen

Seit dem Start des ersten Meteosat-Wettersatelliten im Jahr 1977 widmet sich die ESA der Erdbeobachtung aus dem All. Mit dem Start einer Reihe verschiedener Satellitentypen in den letzten 40 Jahren sind wir besser in der Lage, die Komplexität unseres Planeten zu verstehen, insbesondere im Hinblick auf den globalen Wandel. Die heutigen Satelliten werden zur Wettervorhersage, zur Beantwortung wichtiger geowissenschaftlicher Fragen, zur Bereitstellung wichtiger Informationen für die Verbesserung der landwirtschaftlichen Praktiken, für die Sicherheit im Seeverkehr, zur Hilfe bei Katastrophen und für alle möglichen alltäglichen Anwendungen eingesetzt.

Der Bedarf an Informationen, die von Satelliten geliefert werden, nimmt ständig zu. Die ESA ist weltweit führend in der Erdbeobachtung und setzt sich weiterhin für die Entwicklung modernster weltraumgestützter Technologien ein, um den Planeten besser zu verstehen, das tägliche Leben zu verbessern und die politische Entscheidungsfindung für eine nachhaltigere Zukunft zu unterstützen.

ESA-developed Earth observation missions ESA-developed Earth observation missions Quelle: ESA

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